Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Im Jahre 2005
Die Michaelskirche
  Die ehemalige Orgel der Michaelskirche 

Erstellt am 28.08.2005

 

 

Heimatland August/September 1964, 23. Jahrgang

Von alten Orgeln im Landkreis Lohr.

Von Hermann Fischer, Aschaffenburg

 

Die nicht mehr benützte Kapelle auf dem Bergfriedhof (Kommentar: gemeint ist die Michaelskirche) ist leider in ihrem baulichen Zustand wie auch hinsichtlich der Inneneinrichtung stark verwahrlost. Sie enthält auf der Empore ein „spätklassizistisches“ Orgelgehäuse. Leider waren auch hier die Räuber am Werk und haben nahezu alles, was nicht niet- und nagelfest war, mitgehen lassen. Das Pfeifenwerk ist bis auf die ganz großen Holzpfeifen ausgeraubt, die Windladen und Teile des Regierwerkes dagegen sind noch vorhanden. So ist wenigstens der frühere Zustand der Orgel noch zu erkennen.

 

Das originelle Gehäuse, noch ungefasst, wirkt in seiner braunen Holzfarbe vorzüglich. Es ist deshalb originell, weil es in seiner Form völlig eigene Wege geht. Es ist einteilig und oben durch einen baldachinartigen Rundbogen geschlossen. Hölzerne Schabracken als Schleierbretter verstärken noch den Eindruck des Baldachins. Das Prospektfeld schwingt in seinem Grundriss bogenförmig nach vorn. Der darunter befindliche Gehäuseunterbau ist dagegen 3-teilig gegliedert:

In der Mitte der Spiegelschrank mit den alten, gedrechselten Registerzügen, seitlich davon sind schmale Durchgänge mit halbrundem Abschluss eingebaut. Das darüber ausladende Gesims des Prospektfeldes trägt ein balustradenartiges Ornament, so dass sich die dahinter stehenden Prospektpfeifen auf einer Galerie präsentieren. Der schmale, doppelstöckige Gehäuseaufbau ist auf der Höhe dieser „Pfeifengalerie“ noch von einer 2. Empore umgeben und zwei Vasen beleben das Baldachin-Dach.

 

Auf den Windstöcken wie an den Registerzügen ist die Disposition angegeben:

Manual:                                               Pedal:                                      Tonumfang:

1. Principal 4’                                       1. Subbaß 16’                           C-c3 mit Cis im Manual,

2. Octav 2’                                            2. Posaune 8’                           C-d1 im Pedal

3. Mixtur 2- bis 3-fach

4. Copula 8’

5. Salicional 8’

6. Gamba 4’

7. Flagionett 2’

 

Alle Teile wie die Tastatur mit schwarzen Untertasten aus Ebenholz, die Manubrien an den Registerzügen, das Zugwerk usw. sind demoliert. Von der Posaune fanden sich noch einige hölzerne Stiefel, Köpfe, Krücken und Becher.

 

Das interessante Werk ist eine Arbeit des Würzburger Hoforgelmachers Philip Albert Seuffert, der auch die alte Orgel im benachbarten Rodenbach erbaut hatte.

Die Bauinschrift gibt darüber folgenden Aufschluss:

„Philip Albert Seüffer, Hof-Orgelmacher von Wirtzburg hat dieses Werklein verfertigt im Jahr 1792, den 6. April.“

 

Der Meister, dessen Großvater Johann Philip Seuffert der bedeutendste und meistbeschäftigste Orgelbauer des 18. Jahrhunderts in Unterfranken war, hat uns eine Reihe von originellen klassizistischen Gehäusen hinterlassen, unter denen die von Rodenbach, Rohrbach und Ansbach aus der engeren Umgebung zu nennen wären. Sie waren ganz unkonventionell, zeigen neue Ideen in der Anlage und charakteristisches Schnitzwerk.

 

 

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