Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Lorenz Fries
Wie drei edle Frauen viel Gutes an das Kloster Neuenstatt gegeben haben
  Urkunden und Besitztümer des Kloster Neustadt a. Main 

Ergänzt (1703-1729) am 12.03.2005, 26.11.2005, 06.12.2005, 02.01.2006 und 12.10.2007

  

Die Besitztümer des ehemaligen Benediktiner-Klosters Neustadt

Die Daten von Neustadt und Erlach in roter Schrift.

Daten die in Verbindung mit Neustadt stehen in blauer Schrift.

 

 

Informationen zu der Neustädter Klostermark:

 

1. Es konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass dem Neustädter Fälscher neben der Vita Burkardi II, dem Codex Eberhardi, der Lorscher Chronik, dem Testament Karls des Großen und Einhards Vita Karoli noch 15 Diplome vorgelegen haben.

Alfred Wendehorst, Erwägungen zur Topographie und Geschichte des Klosters Neustadt am Main und seiner Mark. Versuch einer Annäherung der archäologischen und historischen Quellenaussagen.1250 Jahre Bistum Würzburg, Echter, 1992, 163ff.

 

2. Die Grenzbeschreibung der Neustädter Klostermark ist mittlerweile detailliert rekonstruierbar. Sie entstammt einem echten Diplom, entweder Karls des Großen oder wahrscheinlicher, einer verlorenen Schenkungsurkunde des in der Vita Burkardi II genannten Grafen Hatto.

Alfred Wendehorst, Erwägungen zur Topographie und Geschichte des Klosters Neustadt am Main und seiner Mark. Versuch einer Annäherung der archäologischen und historischen Quellenaussagen.1250 Jahre Bistum Würzburg, Echter, 1992, 163ff.

Heinrich Wagner, Zur Frühzeit des Bistums Würzburg, MJb 33, 1981, 95ff., bes. 98f.

 

3. Die Neustädter Grenzbeschreibung ist in der Tauschbestätigung Ludwig des Frommen für das Kloster Fulda und den Grafen Poppo aus dem Jahre 839 bestätigt. Die südliche Grenzbeschreibung ist die gleiche Grenze wie in der Stiftungsurkunde.

 

 

 

Die zeitlichen Fakten:

 

772 Mai

Urkunde Karl d. Großen an Kloster Neustadt, Abt Megingaud, mit dem Inhalt: Königsschutz und Immunität (nach Dr. Heinrich Wagner).

781 August

Urkunde Karl d. Großen an Kloster Neustadt, Abt Megingaud, mit dem Inhalt: Besitzbestätigung der Klostermark (nach Dr. Heinrich Wagner). Siehe hierzu auch das Jahr 794.

781
22.August

Weihe der karolingischen Abteikirche an der „neuen Stätte“ (Nivenstat, Nuovenstatt). Neben Karl dem Großen sollen auch die Bischöfe Willibald von Eichstätt und Lullus von Mainz, der größte Gegner von Kloster Fulda, teilgenommen haben.

Patrozinien nach Dr. Franziskus Büll OSB, Münsterschwarzach:

Martin (11. November), Dionysius (9. Oktober), Salvator (6. August), Hl. Kreuz (3. Mai).

Ergraben von W. Boeckelmann 1946/47 und vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege von 1969 bis 1992.

786

Urkunde Karl d. Großen an Kloster Neustadt, Abt Waltrich, mit dem Inhalt: Bestätigung früherer Privilegien und freie Abtwahl (nach Dr. Heinrich Wagner).

Die 4te Frau Karl des Großen, Fastrada, war wie Megingaud vom Geschlecht der Mattonen. Fastrada war von Oktober 783 bis zu ihrem Tod am 10. August 794 mit Karl dem Großen verheiratet.

790

Urkunde Karl d. Großen an Kloster Neustadt, Abt Waltrich, mit dem Inhalt: Zollfreiheit (nach Dr. Heinrich Wagner).

794

Klosterbesitz nach der gefälschten Stiftungsurkunde Karl des Großen.

Vom Mainfluß an über den Lachberg an den Erphenbrunnen, durch das Erphenbuch selbst hindurch gegen das Tannenbeet, von da hinab an den Langenrain, über den Stäuffling bis an den Platz genannt Turn; von da das Schonofsthal herab in die Wachenbach, und diesen entlang bis dorthin, wo der Steinbach einfließt; von da über den Berg Trautberg auf die Höhe von Altfeld in den Königlursbach und nach dessen Laufe hinab in den Mainfluss.

Der Besitz von Homburg wird dem Kloster Neustadt von Karl dem Großen bestätigt.

817

Urkunde Ludwig d. Frommen an Kloster Neustadt, Abt Spatto, mit dem Inhalt: Bestätigung des Königsschutz, Immunität, Besitzbestätigung (nach Dr. Heinrich Wagner).

Der in Ostfranken begüterte Ritter Starkfried trat in das Kloster Neustadt ein.
Seine Mutter Aldigard, ein hochadlige Matrone, und seine beiden Schwestern Filomuet und Hebburc übergaben dem Kloster Neustadt Immobilien, das ganze Dorf Münster (Altenmünster), wo dem Abt von Neustadt das Patronatrecht der Pfarrei bis in die neueste Zeit zustand, dann mehrere Rechte und Besitzungen in Egelezhausen (Üchtelshausen bei Schweinfurt), Eberharteshusen (Ebertshausen), Hobbach, Zell (bei Schweinfurt) und Geroldesberge (Kützberg bei Kronungen) als Eigentum.

Abschriftlich überliefert, Kraus, Benediktinerabtei Neustadt am Main, Würzburg, 1856, Beilage III, Seite 101 ff

823

Drei Schwestern, aus hohem edelsten Stamme geboren, mit Namen Hiltburg, Biltu..t und Haltegart schenken dem Kloster Neuenstatt unter Abt Spat Besitztümer in den Dörfern Münster, Egelshausen, Ebergartsbrunn, Holbach, Z..s---gen und Zell.

Lorenz Fries, Würzburger Chronik, Band 1, Im Kapitel von Bischof Wolfger 810 – 832)

839

Grenzbeschreibung in der Tauschbestätigung Ludwig des Frommen für das Kloster Fulda und den Grafen Poppo aus dem Jahre 839. Die südliche Grenze wird in dieser Urkunde, gleiche Grenze wie in der gefälschten Stiftungsurkunde von 794, bestätigt. (Reinhard Bauer, Die ältesten Grenzbeschreibungen in Bayern und ihre Aussagen für Namenkunde und Geschichte, München 1988, S.91)

858

Urkunde Ludwig d. Deutschen an Kloster Neustadt, Abt Witgar?, mit dem Inhalt: Bestätigung des Königsschutz, Immunität, Besitzbestätigung (nach Dr. Heinrich Wagner).

891

Für die Besitztümer um Schweinfurt wurde vom Kloster Schutzvögte eingesetzt. Ein Schutzvogt mit dem Namen Ebon bereicherte sich mit einigen von diesen Klostergütern.

891

Ausbau der Abtei Neustadt/Main unter Graf Poppo II. als Stützpunkt der Herrschaft über den Waldsassengau.
http://www.mittelalter-genealogie.de/babenberger_aeltere/poppo_2_markgraf_der_sorbischen_mark_906.html

993

Bistum Würzburg mit Bischof Bernward legt gefälschte Urkunden (gefälschte Schenkung von Pippin III. an Burkhard) vor um seine Rechte auf Kloster Neustadt, Amorbach, Homburg, Schlüchtern und Murrhardt zu beweisen.
12. Dezember, der jugendliche, leichtgläubige Kaiser Otto III., ein Ottone bzw. Sachse, gibt oben genannte Klöster, auch Neustadt, an das Bistum Würzburg ab.

1000
10. April

Otto III, bestätigt am 10. April 1000 in Ingelheim dem Kloster Neustadt, Abt Bernardus?, die vorher ausgestellten Privilegien von Ludwig den Frommen und Ludwig den Deutschen.
Abt Bernhard wandte sich vorher wegen verloren gegangen Besitztümern um Schweinfurt an den Bischof Heinrich von Würzburg. Durch dessen Vermittlung verhalf Kaiser Otto III. dem Kloster wieder zu den entwendeten Gütern um Schweinfurt (siehe 891, Ebon).

1050

Wahrscheinlich erste Fischersiedlung in Rothenfels, das zum Landbesitz des Klosters Neustadt gehört.

Um 1060

Kloster Neustadt befand sich im Einfluss der Gorzer Reform unter Abt Ekkebert, gleichzeitig von 1047 bis 1077 Abt von Münsterschwarzach. Er war vorher Mönch in Gorze und wurde von Bischof Adalbero von Würzburg (1045-1090) als Reformabt zuerst im bischöflichen Kloster in Münsterschwarzach eingesetzt.

Die Kontakte zum Schwesterkloster St. Emmeran rissen ab, Emmeran wehrte sich bis 1143 gegen die Reformen.

1095

Die Güter zu Buttenried (Bütthard) und Dachest oder Dächsheim im Ochsenfurter Gau wurden von Ritter Gerhardus (wahrscheinlich Burggraf von Mainz) und seiner Gemahlin Bertha dem Kloster Neustadt übergeben.

Urkunde abschriftlich überliefert, Kraus, Benediktinerabtei Neustadt am Main, Würzburg, 1856, Beilage IV, Seite 104 ff

Um 1100

Kirchenbau der romanischen Abteikirche St. Martin und Maria, die heutige Pfarrkirche, durch Abt Adelgarus / Adelger.

Patrozinien nach Dr. Franziskus Büll OSB, Münsterschwarzach:

Martin (11. November), Dionysius (9. Oktober), Christus Salvator (24. Mai), Maria (Assumptio) (15. August).

Um 1100

Streitigkeiten des Klosters Neustadt mit seinem Vogt Markward von Grumbach.

Markward hatte Untervögte eingesetzt und Dienste angefordert, die ihm nicht zustanden. Von nun an soll er jährlich drei Placita (Gerichte / Versammlungen) halten und erhält dafür genau festgelegte Servitien (Frondienste).

Urkunde Em 5 (Bischof Emehard von Würzburg, 1089-1105) im Original erhalten, Wertheim, LWRA.

Ab 1100

Erstarkung des Adels. Wichtige Adelsgeschlechter wie die Henneberg, Hohenlohe, Castell, Rieneck und Wertheim gewinnen während der Stauferzeit immer mehr an Einfluss.

1102

Neustadt überließ dem Dekan Gerung von Neumünster in Würzburg den Grund und Boden in Triefenstein zum Bau des Chorherrenstift Triefenstein. Kloster Neustadt übergab auch seinen linksmainischen Besitz, die Weinberge am Kallmut, dem Kloster Triefenstein. 1102, erster Probst des Kloster Triefenstein ist Gerungus.

Urkunde Em 8 (Bischof Emehard von Würzburg, 1089-1105) kopial erhalten, Wertheim, LWRA.

Abschriftlich überliefert, Kraus, Benediktinerabtei Neustadt am Main, Würzburg, 1856, Beilage V, Seite 108 ff

1132/3 Sep 10

Abtrennung der von dem bischöflichen Ministerialen Heinrich v. Karlburg in Laudenbach/M. errichteten Kirche zu Ehren des Erlösers, der Gottesmutter sowie der Heiligen Michael und Ägidius. Gleichzeitig übertrug Heinrich diese Kirche an das Kloster Neustadt, damit es dort einen geeigneten Priester einsetzte.

Urkunde Emb 10 (Bischof Emehard von Würzburg, 1089-1105) Original erhalten, Wertheim, LWRA.

Um 1140

Beginn der Hirsauer Reform. Scharfer Trennungsstrich zu der bis dahin in Neustadt herrschenden monastischen Formung Junggorzer Prägung.

1148

Rothenfels ging an die Herren von Grumbach und später an die Grafen von Rieneck verloren. Schutzvogt Marquard d.J. von Grumbach errichtet gegen den Willen des Abtes Richardus auf klostereigenem Grund die Burg Rothenfels.

1150
Juli 8

Vergleich zwischen Kloster Neustadt und Marquard von Grumbach durch Bischof Siegfried von Würzburg. Auf massive Intervention König Konrad III. hin, einem Staufer, blieb dem Abt nichts anderes übrig, als sich mit dieser Rechtsverletzung abzufinden, die Urkunde kam einem königlichen Befehl gleich. Die Grumbacher mussten die Burg Rothenfels zu Manneslehen vom Kloster, und nicht von dem Hochstift, nehmen. Das galt nur für männliche Nachkommen.
Auch hatte die Abtei in Rothenfels das Pfarreibesetzungsrecht.

Es bezeugen gemeinsam der Dekan Wortwin und die Kleriker Sigefridus capellanus, Burchardus (Kanoniker, 1176-1187 Scholaster) , Eberhardus et Heroldus eine Urkunde Bischof Siegfrieds für das Kloster Neustadt am Main. (MONE, Urkunden über die Maingegenden, S. 409 Nr.2)

Urkunde Si 10 (Bischof Siegfried von Würzburg, 1146-1150) Original erhalten, Wertheim, LWRA.

1157 April 6 Worms

König Friedrich I. verbietet die Mainzölle von Bamberg bis Mainz außer bei Neustadt/Main, Aschaffenburg und Frankfurt, gemäß dem Urteil des 1156 verstorbenen Pfalzgrafen Hermann 3. von Stahleck, Pfalzgraf bei Rhein.

Der Mainzoll in Neustadt: Eine Woche vor und nach dem 15. August (assumptionem sancte Marie) in Höhe von vier Denaren für jedes Schiff. Die Klage wurde auf dem Würzburger Hoftag von 1155 Okt. 29 verhandelt. Der Zoll zu Neustadt gehörte zu dieser Zeit dem Bischof von Würzburg.

Der Mainzoll zu Aschaffenburg dem Ebf. von Mainz, Frankfurt war ein kaiserlicher Zoll.

R: RI 4, 2 Nr. 447. Stumpf Nr. 3767.

D: MGH DD 10, 1 S. 282ff. Nr. 165. (A1-2). MGH Const. 1 S. 225f. Nr. 163. (A1-2).

1164

Otto v. Wiggershausen, ein Sohn Marquards I. v. Grumbach schenkt den so genannten Kammerforst in seinem predium Wiggershausen zu zwei Drittel an das Kloster Neustadt und das restliche Dritten an das Kloster Schlüchtern.

StAW Stb. 582 f. 36; Dr.: Johann Adolph Kraus, Urkundliche Nachrichten über die Wallfahrtskirche Fährbrück (AU 19/3) 1868, 138-160; 151f. n. 1.

1164

Abt Bernardus erwirbt für das Kloster ein Landgut zu Waldzell, mehrere Weinberge zu Wiesenfeld und zwei Lehengüter zu Karbach für die Aufbesserung des Tisches der Mönche, sowie zur Unterhaltung des ewigen Lichts vor dem Muttergottesaltar in der Klosterkirche.

Kopial erhalten, Kraus, Benediktinerabtei Neustadt am Main, Würzburg, 1856, Beilage VI, Seite 109 ff

1164

Urkunde für Kloster Neustadt.

He II 24 (Bischof Heinrich II. von Würzburg, 1159-1165), kopial erhalten, Wertheim, LWRA, Lit. A 1917, f. 88r.

Um 1190

Die romanische Kapelle auf dem Margarethenhof wird erbaut.

1192

Die Probstei Pflochsbach (mit Sendelbach) wird dem Kloster Neustadt unterstellt.

1192

Urkunde für Kloster Neustadt.

He III 2 (Bischof Heinrich III.)

Bis 1200

Der Lauterhof, abgegangener Hof zwischen Hafenlohr, Windheim und Marienbrunn, gehörte bis 1200 zum Kloster Neustadt. Detailinfo unter Kloster > Besitztümer > Hafenlohr.

1209

Der Scholaster Obert (Obertus, Opertus) und der Kanoniker Reinmar sind Zeugen einer Urkunde von Bischof Otto von Lobdeburg für das Kloster Neustadt.

Obert wird hier als Albertus(!) scolasticus in Hauge erwähnt. Dafür, dass er in dieser Urkunde als Albertus begegnet, gibt es zwei Erklärungen: die Urkunde wurde entweder früher ausgestellt als eine im gleichen Jahr abgefasste Urkunde für das Stift Haug in Würzburg, dann wäre im Laufe des Jahres 1209 Albert vom neuen Scholaster Obert abgelöst worden, oder – und dies ist wohl wahrscheinlicher – der unverstandene Name Obertus wurde vom spätmittelalterlichen Abschreiber der Neustädter Urkunde, die leider nur kopial überliefert ist, verlesen oder bewusst modernisiert.

O 9 (Bischof Otto von Lobdeburg)

1213

Ältestes erhaltenes Abtsiegel von Abt Richardus II.

1221

Urkunde für Kloster Neustadt.

Päpstliche Richter

1222 April 10

Urkunde für Kloster Neustadt.

O 75 (Bischof Otto von Lobdeburg)

1222

Urkunde für Kloster Neustadt.

O 76 (Bischof Otto von Lobdeburg)

1223 Feb 1

Urkunde für Kloster Neustadt.

O 79 (Bischof Otto von Lobdeburg)

1224

Immer größere Eingriffe der Fürstbischöfe in die Rechte des Adels (Kaiser Friedrich II., Staufer).
8. Dezember, Schlacht gegenüber
Hafenlohr, dem späteren Mordstatt und dann Mattenstatt.
Sieg des Erzbistum Mainz unter Siegfried II. von Eppstein und des Bistum Würzburg unter Dietrich von Hohenburg (Bischof von Ende Dezember 1223 bis 20.02. 1225)
gegen den Adel beider Seiten. Große Verluste für die Adelsfamilien Castell, Henneberg, Wertheim, Schwarzenberg, Thüngen, Grumbach und Seinsheim. Bis nach Remlingen wurden die flüchtigen Adeligen verfolgt und schließlich getötet.

1226

Die Ritterfamilien ließen ein Kloster in Mattenstatt erbauen, die Kapelle weihte Bischof Hermann von Lobdeburg am 3. Mai ein. Das Kloster wurde dem Stifte Fulda geschenkt.

1243

Aussterben des Grumbach’schen Mannesstamm.
Die einzige Nachkommin Adelheid von Grumbach heiratet den Grafen Ludwig III., Sohn des Mainzer Burggrafen Gerhard von Rieneck. Der Bischof von Würzburg, Herrmann von Lobdeburg übergibt ihm, im Widerspruch zu den Vereinbarungen mit Bischof Siegfried von Würzburg aus dem Jahre 1150, auch die Schirmvogtei des Kloster Neustadt.

1251, 1270, 1279/80

Einen sehr schweren Verlust erlitt Neustadt durch seinen Schutzvogt, den Grafen Ludwig IV. von Rieneck, der Kirche und Kloster öfters ausraubte. Der Schaden dieser Überfälle auf das Kloster Neustadt wurde von einer Kommision auf 400 Mark Silber geschätzt.
Er plünderte auch das Archiv von Kloster Neustadt und verschleppte es nach Rieneck und Rothenfels.

1264

Kloster Neustadt gründet auf eigenem Besitz eine Propstei in Einsiedel.
Die Propstei erhält vom Kloster einen Besitz von Lindenfurt bis Manifridesbrunn, am Laufe des Hafenlohrer Floßbach entlang.

1282

Graf Ludwig IV. von Rieneck bringt auf Intervention von König Rudolf die Privilegien wieder zurück ins Kloster Neustadt.

Wertheim LWRA, Lit. A 1917, f. 64v u. StA Wbg., Stb. 582, f. 25v

1324

04. Mai, Niedernlare (Hafenlohr) wird erstmals urkundlich erwähnt. Auch in Mattenstatt hatte das Kloster Neustadt Besitztümer. Detailinfo unter Kloster > Besitztümer > Hafenlohr.

Die Urkunde befindet sich im Standbuch 582 Seite 39, Würzburger Staatsarchiv.

1333

Zuerst die Grumbacher und anschließend die Rienecker Vögte bedrückten und beraubten Kloster Neustadt ständig. Die Vögte rissen die Rechte des Klosters an sich und eigneten sich dessen Güter an, offenbar mit Duldung durch die Bischöfe von Würzburg. 1333 übernimmt der Fürstbischof von Würzburg die Burg Rothenfels.

1336

Die Propsteien Retzbach und die Pfarreien Karbach und Steinfeld werden am 7. Juni unter Abt Wolfram von Dünnfeld durch Bischof Otto II. der Abtei Neustadt unterstellt. Aufhebung 1803.

Das Pfarreibesetzungsrecht in Schwebenried und Wiesenfeld geht verloren.

1342

Graf Ludwig von Rieneck stirbt ohne männliche Erben. Seine einzige Tochter Adelheid veräußerte ihre Erbrechte auf Burg Rothenfels an den Kaiser Ludwig den Bayer.

1342

Rothenfels wird erstmals als Stadt erwähnt.

1348

Urkunde von K. J. Barthels, Steinfeld bei Lohr am Main.
Klosterhöfe zu Neustadt, Erlach, St. Margarethen, Karbach und Wiesenfeld.
Hofreit zu Karbach.
Erstmalige Nennung des Klosterhofs zu „Erlachen“. Abt war Wolfram von Dünnfeld.
Den Zehnten in Steinfeld und Karbach.
Den Weinzehnten in Retzbach.
Weingärten in Ansbach, Karbach, Pflochsbach, Roden, Urspringen und Wiesenfeld.
Fischerei in Pflochsbach, Neustadt und Erlach.
Besitz oder Rechte in Ansbach, Birkenfeld, Duttenbrunn, Erlach, Hafenlohr, Karbach, Kronungen, Leinach, St. Margarethen, Marktheidenfeld, Pflochsbach, Retzbach, Roden, Rohrbach, Schwebenried, Steinfeld, Sulzwiesen, Unrichsthal (abgegangener Ort zwischen Laudenbach und Himmelstadt), Urspringen, Ussigheim, Waldzell, Wickershausen (im Gramschatzer Wald) und Wiesenfeld.
Incorporierierung der Pfarreien Retzbach, Karbach und Steinfeld.

1360

Karl IV., der den Abt Gottfried von Rieneck zu seinem Hofkaplan ernannt hatte, verteidigte Kloster Neustadt gegen Würzburg, befreite es von dessen Landgericht, verlieh ihm einen Mainzoll für ewig und nahm es unter seinen besonderen Schutz.

Um 1435

Unter Abt Nikolaus von Königsfeld kam der Kirchenschatz abhanden. Er war ein schlechter Wirtschafter, ein Verschwender. Er versetzte bewegliches und unbewegliches, sogar Insel, Stab und Kelche. Er wollte nicht einmal seinem Beichtvater am Sterbebett eröffnen, wo er alles versetzt hatte.

1438

Bischof Johann von Brunn verpfändete den Klosterhof zu Bütthard und löste diese nicht mehr ein, obwohl Abt Nikolaus von Königsfeld ihm 400 Fl. verlieh. Die Besitzung in Bütthard ging verloren.

1439

Otto, Bischof von Würzburg, urkundet für das Kloster Neustadt. (Mit Berchtoldo comite de Hennenberg urbis prefecto).

1447

Der Administrator Martin von Ottersbach verkauft den Klosterhof zu Würzburg (1856 Bankgasse Nr. 292 im II. District), „der große Willmuth“ genannt, an den Bürger Johann Fuchstatt für 200 Fl.

1448 - 1460

Erfolgreicher wirtschaftlicher Aufschwung unter Abt Johannes VI. von Rottenhausen.

1464

Weihe des Kreuzganges und der Kapellen unter dem ersten nicht adeligen Neustädter Abt Heinrich Schultheiß durch den Würzburger Weihbischof Johannes.

1466

Erlach wird als Dorf erwähnt, Schultheiß Kunz Göbel.

1483

Die Propstei Einsiedel wird aufgelöst. Der dortige Propst Eberhard Beyer wird Abt in Neustadt. Das Gut wird verpachtet.

1525

21.04.1525, Plünderung der Abteikirche St. Martin und Maria unter Abt Jodock Steigerwald kurz nach Ostern durch Bauern aus dem Amte Rothenfels.

1534

Neuweihe der Abteikirche St. Martin und Maria am 26. August unter Abt Konrad Lieb.

1556

Aufstellung von Pfarrer Link aus seinem Klosterbuch (I/215).
Neustadt, Erlach, Plochsbach, Sendelbach, Kronungen, Halsbach (mit Sommerberg = Sommerhof), Karbach und Steinfeld gaben für den Zent insgesamt 24 Fl.
Den Getreidezehnt hatte das Kloster in Karbach, Steinfeld, Plochsbach, Sendelbach und Kronungen.
An Zehnt vom Eigenbau hatte es immerhin 115 Malter Getreide.
An Weinzehnt bekam das Kloster in Retzbach, Neustadt, Plochsbach, Sendelbach, Hafenlohr, Windheim, Karbach und Kronungen ca. 8 Fuder Wein.
Selbst baute es in Retzbach, Neustadt und Plochsbach 11 Fuder Wein.
Die Fischwasser zu Neustadt, Marktheidenfeld und Hafenlohr waren um 9 Fl. Verpachtet.
An Getreide bekam das Kloster insgesamt 1171 Malter.
Fl: Seit dem 13. Jahrhundert setzte sich in Süddeutschland der florentinische Gulden ("Florin" = Fl.) durch.
Malter: Ein Malter war die Menge Getreide, die auf einmal gemahlen werden konnte (ein "Mahlgang"). Die Größe des Malters wurde teilweise von Ort zu Ort unterschiedlich bewertet. Es entsprach etwa 200 bis 300 Liter.
Fuder:1 Fuder = 6 Ohm, 1 Ohm = 104 Maß, 1 Maß = 1 1/7 Liter, 1 Fuder = 713 Liter

1556

Das Kloster Neustadt besteht nur noch aus Abt Heinrich von Jestetten, Prior Kilian Knecht und Valetin Happ.

1558

Das klösterliche Leben in Mattenstadt erlosch. Die Gründe weiß man nicht.

1558

6. Juni, Fürstbischof Friedrich von Wirsberg bringt das gesamte klösterliche Archiv mit 16 Pferden, ohne die Genehmigung des Neustädter Abtes Heinrich von Jestetten, den er vorher nach Würzburg geladen und dort festgehalten hat, nach Würzburg.

1558

Erneuter Rechtsstreit zwischen Neustadt und Würzburg um die klösterliche Gerechtsame, der erst 1794, nach über 200 Jahren, durch einen Vergleich beendet wurde. Jedoch zu spät, da das Kloster 1803 säkularisiert/aufgelöst wurde.

1576

Fulda’scher Handel: Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn übernimmt durch einen dubiosen Handel mit dem dortigen protestantischen Adel das Bistum Fulda. Er bekämpfte sonst Protestanten auf das Heftigste. Der abgesetzte Fürstabt Balthasar von Dernbach, ein Katholik und großer Gegenreformer, rief Papst und Kaiser um Hilfe. Papst Gregor XIII. drohte mit Bann gegen Fürstbischof Julius Echter, der Kaiser setzte bis zum Prozess einen Statthalter in Fulda ein.
Das Kloster Mattenstatt gehörte ab jetzt zum Bistum Würzburg.

1585

Neue Festlegung des Klosterbesitzes, Vertrag kam auf Betreiben von Julius Echter zustande. Abt war Christophorus Caseus, sein Wappen ist in der Mauer links vom Kriegsdenkmal eingemauert.

1586

Abt Christophorus beschaffte eine große Kreuzigungsgruppe.
1836 wurde die Kreuzigungsgruppe vom Fürst Löwenstein an die Gemeinde Roden geschenkt. Sie befindet sich heute noch im dortigen Friedhof.

1610

Julius Echter lässt das Kloster Mattenstatt abbrechen. Die Steine, inklusive des Grundsteines, werden für den Bau der Kirche in Rothenfels verwendet.

1615

In einer detaillierte Aufzeichnungen auf einer separaten Seite wird folgender Besitzstand erwähnt: Zu Neustadt, zu Erlach, zu Pfloxbach, zu Waldzell, zu Onspach, in Hawenlohr, zu Einsidel, in St. Margarethen und in Groningen..

1615 - 1623

Umfangreiche Umbaumaßnahmen der Abteikirche St. Martin und Maria wurden von Bischof Julius Echter angeordnet, hohe Verschuldung des Klosters. Abt Martin Knödler war gegen die Baumaßnahmen und wurde vom Bischof abgesetzt.

Administrator Valentin Minor aus Rothenfels nahm 20.000 Fl. Schulden für die Renovierung auf. Die schuldenlast drückte über 100 Jahre auf das Kloster.

1619 - 1635

Abt Georg Ehalt aus Karbach minderte durch gutes Wirtschaften merklich die Schulden des Klosters.

1633

Schwere Klosterplünderungen im 30-jährigen Krieg durch Schweden, Kroaten und Franzosen. Für ein Jahr (1633) im Besitz von L. G. von Nabben, Geheimsekretär der schwedischen Majestät.

1637

100 Kroaten überfielen das Kloster. Der Verlust betrug mehr als 1.000 Fl.

1642

Franzosen verwüsteten das Kloster, über 2.000 Reichstaler Schaden.

1648

Am 12. Februar besetzten Franzosen das Kloster für 14 Tage. Der Abt Johannes Eckhardt floh nach Rothenfels und starb dort am 24. Februar mit 42 Jahren.

1688

Das Kloster bekam nur 866 Malter Getreide.

1703-1729

Abt Bernhard Krieg trug die 100-jährige Schuldenlast, verursacht durch Bischof Julius Echter, ab.
Er baute in Neustadt, Pflochsbach, Waldzell, Ansbach ...
Kaufte für 1516 Reichsthaler von den Herrn zu Oppach 16 Malter Getreidegült mit Rechten in Schwebenried.
Kaufte für 1900 fr. Gulden die übrigen Güter der Familie Oppach in Schwebenried.
Kaufte für 23000 rh. Gulden das Freigut in Kronungen von den Herrn von Ingelheim, welches Abt Bernard Höhlein um 4000 Reichsthaler ohne Rückkaufsrecht verkauft hatte.
Führte den Ladstatter Zoll zu Hafenlohr wieder ein, den Fürstbischof Julius Echter abschaffte. Aus der Beschreibung der Benediktinerabtei Neustadt am Main (von Georg Link, 1872): "Unbegreiflich ist's, warum Fürstbischof Julius dem Kloster den Auftrag gab, seine Schifferei abzuschaffen. Das Kloster hatte einen eigenen Platz zum Entladen seines und des sonstigen Holzes auf das Schiff, jetzt "Latsch" genannt, in alten Zeiten "Ladstatt" beschrieben."

1717

Der Würzburger Domorgelbauer Johannes Hoffmann baut eine Orgel für die Abteikirche mit 21 Registern und ca. 1300 Pfeifen.

1730

Das Langhaus der Michaelskirche auf dem Michaelsberg ist gebaut, der Chorturm aus dem 11. Jahrhundert wird umgebaut.

1763

Unter Abt Benedikt Lurz wurde der ruhende Prozess mit Würzburg um die Rechte des Kloster Neustadt, besonders um Rückgabe von Waldungen im Spessart, erneut aufgenommen.

1768

Da das Kloster Neustadt unter Abt Benedikt Lurz (1763-1788) mit seiner eigenen Druckpresse eine Aufklärungsschrift über den Rechtsstreit veröffentlichte, schritt die fürstbischöfliche Regierung dagegen ein und beschlagnahmte die noch vorhandenen Restexemplare dieser Schrift und bestrafte den Abt wegen so genannter Winkeldruckerei.

1794

Kronungen wurde verkauft, nachdem es schon mehrfach vorher verpfändet wurde.

1794/5

Der seit 1558 begonnene und 1763 wieder aufgenommene Rechtsstreit mit Würzburg wird durch einen Vergleich unter Abt Johanna Baptist Weigand aus Karlstadt beendet.

1796

19. Juli, Französische Revolutionstruppen plünderten das Kloster.

1800

Franzosen überfallen das Kloster.

1803

Bei der Säkularisation der Klöster fiel die Abtei Neustadt mit ihrem gesamten Besitz an den Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.

Zum Zeitpunkt der Auflösung waren in der Abtei 19 Patres und zwei Novizen.

Das wertvollste Stück war der Kloster-Wald mit über 4000 Hektar.
1 Hektar = 10 000 Quadratmeter, 4000 Hektar = 40 Millionen Quadratmeter.
Das Haus Löwenstein verlor linksrheinisch an Frankreich:
2,75 Quadratmeilen Land mit 5.000 Einwohner und Einkünften von 87.000 Fl.
Das Haus Löwenstein bekam dafür rechtsrheinisch:
7 Quadratmeilen Land mit 18.000 Einwohner und Einkünften von 150.000 Fl.

 


 

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Information vom 26.08.2005:

Dissertationenverzeichnis zur bayerischen Geschichte:
Laufende und kürzlich abgeschlossene Arbeiten zur bayerischen Geschichte, Teil 3.

Universität Würzburg
Prof. Dr. Peter Herde

Sybille Grübel,
Die Benediktinerabtei Neustadt am Main.
Verfassungs- und Besitzgeschichte

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