Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Benediktuskreuz
   

Neustadt am Main
Klosteranlage im Tal und Michaelsberg
   

Unter dem heutigen Pfarrhaus
Um 741, das 2. Benediktinerkloster mit Saalkirche in gelb. Die spätere Vierung in grau.
  Die neue Klostergeschichte - Fakten 

Das Kloster Rorinlacha bzw. Neustadt am Main

Klaus Weyer, erstellt am 09. Juli 2010, korrigiiert am 29. Okt, 2010

 

 

Anfang / Mitte 738
Burkard kommt nach seiner Romreise mit Bonifatius nach Mainfranken (die letzte Romreise von Bonifatius, die erste von Burkard, von 737 bis 738, in der Vita Burkardi 1 und 2 erwähnt!).

Bonifatius und Burkard gründen das 1te Kloster in Rorinlacha auf dem Michaelsberg.
Eine exponierte Lage, 34 m über dem Main = ehemaliges frühkarolingisches Jagdschloss.

 

Die Fakten:

2 Hinweise in der Fries Chronik von 1546:
„Bonifatius hat das Jagdschloss in Rorinlacha aud dem Michaelsberg von Pippin III. (*714, +768) erhalten“.
„Burkard war Anfangs als Bischof in Rorinlacha“.

 

Hinweis auf der Grabplatte von Megingaud:
„Megingaud war in diesem Lose des Leiters der zweite“.

Megingaud ist in Neustadt gestorben und die Grabplatte wurde in Neustadt aus Sandstein hergestellt!

 

2 Hinweise in der Würzburger Bisitation des Klosters von 1762:
„Kloster Neustadt hat gleiches Alter wie das Bistum“ (
à 741) und
„Der hl. Bischof Burkard, der erste Abt dieses Ortes“.

 

Hinweis im Catalogus Abbatum vom Kloster Neustadt:
„Burkard wird als 1. Abt aufgelistet“.

 

Rorinlacha, nach Dr. H. Wagner: Bezirk (lacha) des (in) Roggo / Rocco (Ror).

Roggo war wie Megingaud, der 2te Abt in Rorinlacha/Neustadt, ein Mattone.

Der Mattone Rocco / Roggo ist in der Urkunde von 704 >Schenkung Heden II. an Willibrord< erwähnt.

 

Grabungen auf dem Michaelsberg / Michaelskirche ergaben eine Datierung für das  8. Jahrhunderts.

 

741 Okt 21
Bonifatius weiht in Sülzenbrücken, unter Assistenz von Bischof Burkard und Bischof Witta, Willibald zum Bischof. Burkard war schon Bischof! Eventuell wurde Burkard während seiner ersten Romreise in Rom zum Bischof geweiht.

 

741 Okt 22.

Karl Martell stirbt.

 

Ab 741 Herbst
Bonifatius gründete das Bistum Würzburg, Bischof ist Burkard.

Burkard war die erste Zeit als Bischof in Neustadt (Fries Chronik).

741/742
Der 2te Abt Megingaud (* um 710) gründet das 2te Kloster in Rorinlacha an der „Alten Statt“, das erste Kloster im Tal, eventuell mit Hilfe von Pirmin (+753 Nov 03).

Megingaud ist ein Mattone, wie Roggo, Erpho bzw. Hatto. Auch die 4. Frau von Karl dem Großen, Fastrada (geheiratet Okt. 781, +10.08.794), war eine Mattonin.

Megingaud hat den Besitz von Hatto erhalten.

Hatto zum ersten Mal in der Schenkungs-Urkunde an das Kloster Lorsch, Fulda-URKUNDE 859 (29. Juni 767), urkundlich erwähnt.

 

Kirche und Konvent wurden im Jahre 1981/82 vom BlfD (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege) ausgegraben, initiiert durch Pfarrer Langhans.
Merowingische Saal-Kirche (42/78qm) = Steinbau. (Ähnlich wie die Saalkirche auf der Insel Mainau).
Klaustrum/Konvent (205/257qm) = Steinfundament und Holzbau.

Richtung nach Osten: +13,5°.

Die Patrozinien der Saalkirche nach Dr. Franziskus Büll OSB, Münsterschwarzach:
Martin (11. November),
Maria (25. März),
Petrus und Paulus (29. Juni).

 

747 Mai 1

Burkard überbringt Papst Zacharias in Rom, im Auftrag von Bonifatius und Karlmann, die Obödienz-Erklärung (Gehorsams- und Treuebekenntnis) von der März-Synode von Karlmann in Austrien.

 

747 Herbst

Karlmann geht ins Kloster nach Italien.

Freiwillig, oder von seinem Bruder Pippin, gezwungen?

 

750 / 51

Burkard (Austrien) geht mit Abt Fulrad aus St. Denis (Neustrien), im Auftrag von Pippin III., nach Rom (3. Romreise Burkards).

Er holt die Zustimmung vom Papst Zacharias, den Merowingerkönig Childerich III. als König abzusetzen.

 

751 November

Pippin III. (*714, +768) wird in Soissons zum König gewählt und wahrscheinlich von Chrodegang, nicht Bonifatius, gesalbt.

Der Karolinger Pippin III. entmachtet die Merowinger-Könige mit Unterstützung von Burkard und mit Hilfe des Papstes Zacharias.

 

754 Januar 6

Papst Stephan II. ist bis Ende des Jahres bei Pippin im Frankenreich.

 

754 Feb
Burkard tritt als Bischof von Würzburg zurück.

 

754 Feb/März
Nach Burkards Resignation, wird Megingaud von Burkard als Bischof empfohlen, von Pippin III. zum Bischof von Würzburg bestätigt und von Bonifatius geweiht.

 

754 April 14

Pippinsche Schenkung in Quierzy.

 

754 Juli 28

Salbung von Pippin und seinen 2 Söhnen, Karlmann und Karl, durch Papst Stephan II.

 

754, August 17

Hausmeier Karlmann I. stirbt (Zufall, oder halfen Pippin und Bertrada nach?) im Kloster Vienne (südlich von Lyon) in den Armen von Bertrada.

Karlmann kam vorher zurück aus Italien und pochte bei Pippin auf die Ansprüche seines Sohnes Drogo.

 

755 Feb. 2
Burkard (*um 685) stirbt im 40. Jahr als Priester, 70 Jahre alt, in Homburg (Vita Burkardi II.).

 

755 Juni 5

Bonifatius wird am 5. Juni 755 (nicht im Jahr 754!) im Alter von fast 82 Jahren in Friesland bei Dokkum ermordet.

 

768 Sept.
Pippin III. stirbt.

Karl d. Große und sein Bruder Karlmann II. werden Könige.

 

769 Anfang
Bischof Megingaud resigniert und geht zurück nach Neustadt.
Fries Chronik:
„… und wider in das Kl. Neuenstat zoge“
„… Und sucht gar schnell - Sein alte Zell

Vita Burkardi II.:
Megingaud zog sich 769 nach Neustadt zurück. „Er bekam früher (wahrscheinlich um 741) den Besitz von Hatto“.

 

Viele Mattonen: Hatto, Roggo, Erphold, Matto, Mattoni, Nordiu, Emhilt, sind auch in den Urkunden für das Kloster Fulda erwähnt.

In Neustadt gibt es heute noch im Wald einen Erphenbrunnen und einen Erphenbuch.

 

771 Dez.
Karlmann II. (*751), Bruder Karl d. Großen, stirbt plötzlich mit 20 Jahren!
Steckte Karl der Große dahinter?

 

772
Neue Klostergründung an der „Neuen Statt“.
Urkunde Karl d. Großen an Kloster Neustadt: Königsschutz und Immunität (nach Dr. H. Wagner).
Klostergebiet bis nach Trennfeld / Homburg.

Grund der Gründung: Karl brauchte Ausbildungsklöster für die Sachsenmissionierung.


772 – 804
Sachsenkriege. Schwertmissionierung in Engern, Westfalen, Ostfalen.

 

810-829

3 Neustädter Äbte (Spatto, Tancho, Harud) sind gleichzeitig Bischof von Verden an der Aller, bei Bremen.

 

772
„50 Glaubensbrüder folgen später Megingaud nach Neustadt“ (Vita Burkardi II.).
Dahinter steckte sicher Karl der Große!

 

772
Übergangskloster auf dem Michaelsberg, mit Neubau der Kirche 1 (58qm) auf dem Michaelsberg.
Ausgegraben 1974 vom BlfD, Walter Sage: „Kirche 2 war kleiner, das ist ungewöhnlich“.

Antwort: Sie wurde ja nur vorübergehend von 772 bis 781 so groß gebraucht!

 

22. August 781
Weihe des Klosters an der „Neuen Statt“ mit Vierungs-Kirche von 253 qm.
Karl der Große, Bischof Lullus aus Mainz und Bischof Willibald aus Eichstätt waren laut der Stiftungsurkunde anwesend.
„Das Kloster hat Reliquien der hl. Maria und des hl. Martin erhalten“.

 

781
Urkunde Karl d. Großen an Kloster Neustadt mit dem Inhalt:
Besitzbestätigung der Klostermark.

 

Vierungs-Richtung nach Osten: +10,5°

 

Die Patrozinien der Vierungskirche
nach Dr. Franziskus Büll OSB, Münsterschwarzach:
Martin (11. November),
Dionysius (9. Oktober),
Salvator (6. August),
Hl. Kreuz (3. Mai)
Nicht mehr Maria (25. März).
à Marienkapelle jetzt separat, vor dem Kapitelsaal.
Nicht mehr Petrus und Paulus (29. Juni).

 

Architektonisches Vorbild der Vierung: Willibald Bischofsdom von Eichstätt.

 

Abmessungen der Vierung:
Breit: 18,2 m
Lang: 24,2 m (35,5 m)
Hoch 17,4 m

 

1841, Abriss der Vierung durch Fürst Karl VI. Löwenstein Wertheim Rosenberg.

Grabungen an der Vierung
1946/7                                     Dr. Boeckelmann
1968/9,1969,82, 85 und 91         BLfD (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege),

initiiert durch Pfarrer Langhans

Separater Wehrturm, heute Nordturm der Pfarrkirche.

Richtung nach Osten: +10,5°. Wie die Vierung.

Der Nordturm ist nicht mit der heutigen Kirche verbunden.

Unten 12m alter karolingischer Baubestand.

An der Ostseite à zugemauerte Tür, karolingisches Kapitel.

 

Mauer im Chor der Pfarrkirche 1987 vom BLfD ausgegraben. Richtung nach Osten wie die Vierung: +10,5°.

 

10,5°? Kapitell Querhaus Süd-Ostwand Pfarrkirche, Richtung wie die Vierung?

Kreuz-Kapelle, eingemauert im Südturm, mit 3 Skeletten.

Um 1995 von Pfarrer Langhans entdeckt.

Richtung wie die Vierung, 10,5°?

 

Funde südwestlicher Klosterhof = Mauern des karolingischen Konvent.
Im Dezember 1976/7 von Dr. Vytichil und Pfarrer Langhans ausgegraben.

Der Konvent war schon so groß wie heute!

 

783 Sept. 26
Megingaud (*um 710) stirbt in Neustadt.
Der Grabstein ist aus Sandstein und wurde in Neustadt hergestellt.
Inschrift: Älteste Monumentalinschrift Frankens.
Grabstein heute in der Kilianskrypta der Neumünsterkirche.

 

 

 

Zusammenfassung:

 

Burkard = 738 1. Abt im Kloster Rorinlacha auf dem Michaelsberg.

Verhältnis Burkard – Pippin III.

Bischof von Würzburg von 741 bis 754.

Burkard 755 in Homburg gestorben.

 

Megingaud = 741 2. Abt im Kloster Rorinlacha, jedoch  an der „Alten Statt“ im Tal.
Ältestes Neustädter Kloster im Tal mit Saalkirche unter dem Pfarrheim.

Verhältnis Megingaud – Karl der Große.

Bischof von Würzburg von 754 bis 769.

Megingaud ging 769 zurück nach Rorinlacha.

Megingaud ist 783 in Neustadt gestorben.

 

Übergangskloster ab 772 auf dem Michaelsberg bis das neue Kloster an der „Neuen Statt“ im Tal 781 eingeweiht wurde. Deswegen ist die 2te Kirche auf dem Michaelsberg kleiner.

 

Kloster an der „Neuen Statt“ im Tal, 781 Einweihung.
Der Grund für die Klostergründung:
Karl der Große braucht Ausbildungsklöster für die Missionare für die Sachsenmissionierung.

 

7 Königs-Urkunden, von 772-1000, für das Kloster Neustadt.

 

 

 

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