Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Kaiser Otto III. 997
Siegel Otto III.
  Urkunde Otto III. an das Bistum Würzburg 

Erstellt am 18.11.2009

 

 

Bestätigungurkunde von Otto III. vom 12.12.993, aufgrund falscher Aussagen von Bischof Bernward von Würzburg.

 

Das Bistum Würzburg mit Bischof Bernward legte gefälschte Urkunden vor bzw. behauptete fälschlicherweise, dass Burkhard nachfolgende Orte an das Bistum Würzburg schenkte, um die Rechte auf das Kloster Neustadt, Amorbach, Homburg, Schlüchtern und Murrhardt zu erlangen.

 

 

Übersetzung für die am 12. Dezember 993 in Tilleda ausgestellte Bestätigungsurkunde König Ottos III. über die Schenkung der Orte Neustadt/Main, Homburg/Main, Amorbach, Schlüchtern und Murrhardt für Bischof Bernward von Würzburg
Übersetzt von Oberstudienrat i. R. Alfons Klier

 

Die Urkunde:

 

Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit: Otto, durch die Gunst der göttlich Milde König:

Wenn wir den Kirchen Gottes aus unserer königlichen Freigiebigkeit - was dem königlichen Recht zusteht - etwas (haben) zukommen lassen, so glauben wir, dass dies ohne Zweifel uns zum Lohn im ewigen Leben und für den Zustand unseres gegenwärtigen Lebens nützen wird.

 

Daher sei der kindlichen Ergebenheit all unserer gegenwärtigen und natürlich auch künftigen Getreuen offenbar, dass der ehrwürdige Bernward, Bischof der heiligen Würzburger Kirche, uns (= unseren Blicken) die Gebote der Könige Pippin (natürlich) und seines Sohnes Karl vorgelegt hat, in denen enthalten ist, dass der genannte König Pippin selbst auf Bitten des Erzbischofs Bonifatius von Mainz seinem Kaplan Burghard die ihm gehörenden Orte "Neustadt", "Homburg", "Amorbach", "Schlüchtern" und "Murrhardt" genannt, übergeben hat, damit er dort klösterliches und nach der Regel geführtes Leben anordne und errichte.

 

Später aber, als derselbe oben genannte Burghard, durch die Weihe des Papstes Zacharias und des Erzbischofs Bonifatius, der Würzburger Kirche als Bischof vorgesetzt wurde, hat er bei seinem Herrn, dem König Karl, auf Bitten der Königin Fastrada, seiner Gemahlin, und des oben erwähnten Erzbischofs Bonifatius, erreicht, dass die nämlichen Orte mit all ihrem Zubehör dem heiligen teuren Märtyrer Kilian vollständig unterworfen und übergeben werden, damit sie von ihm (= Burghard) und seinen Nachfolgern für immer besessen und, einem klösterlichen Leben gemäß, nach der Regel geordnet werden.

Weil aber der schon erwähnte Bischof Bernward1 vor uns und unseren Getreuen sich heftig beklagte, dass die oben genannten Orte seiner Kirche durch heimtückische Machenschaften gewisser Leute in ungerechter Weise bis heute entrissen wurden,

haben wir,
bewogen in erster Linie von der Eingebung der göttlichen Liebe, dann auch veranlasst durch die gerechten Bitten unserer Getreuen, d. h. unserer Großmutter, der erhabenen Kaiserin Adelheid2,

wie auch unserer teuren Schwester, der ehrwürdigen Sophia3,

und (des) ehrwürdigen Erzbischofs Willigis von Mainz,
der Würzburger Kirche, der er (= Bernward) selbst in verehrungswürdiger Weise vorsteht, zu unserem und unserer Eltern Seelenheil,
alle weiteren oben erwähnten Orte mit allem dazu gehörenden Besitz durch diese neue Schenkung unserer königlichen Gewalt zurückgegeben

und bestätigen Kraft der königlichen Autorität dieses unseres Gebotes, dass sie (= die Orte) unter dem Recht des oben genannten Bischofs (= Bernward) und seiner Nachfolger und ohne jeden Widerspruch zum göttlichen Dienst für immer erhalten, behauptet und eingerichtet (bzw. zur Verfügung gehalten) werden sollen.

 

Damit aber diese neue Schenkung unserer Autorität und die darauf erfolgte Bestätigung von allen Christgläubigen unverletzlich bewahrt werde, haben wir dieses Gebot unserer Herrschaft sodann aufschreiben und mit unserem Siegel versehen lassen und es mit eigener Hand, wie unten zu sehen ist, bekräftigt.

 

Siegel des Herrn Otto, des ruhmreichen Königs.

 

Ich, Hildibald, Bischof und Kanzler in Stellvertretung des Erzbischofs Willigis, habe es (im Hinblick auf Echtheit und Richtigkeit Punkt für Punkt) durchgesehen.

Gegeben am 2. Tag vor den Iden des Dezember (=12. Dezember) im 993. Jahr der Menschwerdung unseres Herrn, in der 6. Indikation, im 10. Jahr der Regierung Ottos III. Geschehen in Tilleda4; Glück und Heil! Amen.

 

 

1 Bernward, Bischof von Würzburg von 990-995, und sein Nachfolger Heinrich I., Bischof von Würzburg von 995-1018, entwickelten in der wachsenden Rivalität zum fränkischen Hochadel auch eine eigene dynamische Politik, die den Besitz aller Männerklöster in der Diözese zum Ziel hatte, wodurch die Gegensätze zum fränkischen Hochadel weiter verschärft wurden.

 

2 Adelheid von Burgund, die Großmutter Otto III. und seit 962 Kaiserin, war eine gebildete Frau und sprach vier Sprachen. Sie übte sowohl in Italien als auch in Deutschland großen Einfluss auf die Politik des Römischen Reiches aus. Die Mutter von Otto III., Theophanu, war bereits am 15. Juni 991 in Nimwegen gestorben. Nimwegen liegt heute im Osten der Niederlande in der Provinz Gelderland.

 

3 Sophia, die Schwester von Otto III., war ab 1002 Äbtissin von Gandersheim und ab 1011 zugleich Äbtissin von Essen.

 

4 Tilleda, Königspfalz am südlichen Harzrand gelegen.

 

 

Literatur:

DO III, Die Urkunden Ottos III., hg. Th. Sickel (1893, MGH, Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser 2,2).

 

Metzner, Ernst Erich: Die Pippinische Schenkung 750/51 von "Schlüchtern", "Amorbach", "Murrhardt", "Neustadt" und "Homburg" für den angelsächsischen Hofkaplan Burghard von Würzburg - Zur ältesten Geschichte frühmittelalterlicher Klosterorte, Bischofssitze und Kirchenprovinzen in Deutschland und England und zu den Anfängen des karolingischen Erzkaplanamtes und Königtums zwischen Karl Martell und Karl dem Großen.

In: Unsere Heimat. Mitteilungen des Heimat- und Geschichtsvereins Bergwinkel e. V. Schlüchtern 9 (1993) S. 1-60.

 

 

 

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