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Die Vita prima des Bonifatius
Die Vita prima des Bonifatius wurde von Bischof Lul von Mainz und Bischof Megingaud von Würzburg initiert
  Die Viten über Bonifatius, Wynfreth 

Erstellt am 15.03.2009, ergänzt am 13.02.2010

 

 

 

Über Bonifatius existieren viele Viten. Über 4 Viten wird hier näher eingegangen.

Die Vita prima von Willibald, die aus dem Stift St. Viktor zu Mainz stammende Vita quarta, die Vita altera Radbods von Utrecht sowie Otlohs Vita Bonifatii, die Vita sexta.

 

Quellen:

1. Bonifatiusstudien, Dr. Heinrich Wagner, Würzburg 2003, ISBN 3-87717-066-8.

2. Dr. Stephanie Haarländer.

 

 

1. Vita prima.

Nach dem Tode von Bonifatius beschloss eine Synode in Bonifatius Heimat England, jedes Jahr den Todestag von Bonifatius zu begehen und ihn neben Papst Gregor dem Großen und Erzbischof Augustinus von Canterbury als besonderen Patron des Landes zu verehren. Von Bischof Lullus in Mainz, dem Nachfolger von Bonifatius in Mainz, wurde von Bischof Milret von Worcester eine Lebensbeschreibung (Vita) des Toten „necdum integro expleto anni curriculo“ erbeten (Quelle: Bonifatiusbrief n.112). Vorher schrieb Erzbischof Cudberth von Canterbury an Lul über den Märtyrertod des Bonifatius (Quelle: Bonifatiusbrief n.111).

 

Otloh, ein Mönch aus dem Kloster St. Emmeram und Verfasser der 4ten Vita des Bonifatius, und der Anonymus Haserensis, waren noch im 11. Jahrhundert der Meinung, dass Bischof Willibald von Eichstätt, der Verfasser der Vita prima war.

 

(Der Anonymus Haserensis verfasste das Werk „De gestis episcoporum Eistetensium“ (Von den Taten der Bischöfe von Eichstätt).

Das Werk des Anonymus Haserensis ist frühestens 1078, aber auch kaum sehr viel später verfasst worden. Über den Anonymus Haserensis ('von Herrieden') ist nur wenig bekannt. Das Stift Herrieden bezeichnet er als seine Heimat (patria). Unter Bischof Gebhard I. (1042-1057) muss er Mitglied des Eichstätter Domkapitels geworden sein. Zwar hatte er außerdem noch Pfründe als Domkanoniker in Würzburg, jedoch lag sein Lebensmittelpunkt eindeutig in Eichstätt, denn er war ein enger Vertrauter und wahrscheinlich auch Kapellan Bischof Gundekars II. von Eichstätt (1057-1075). Möglicherweise ist er identisch mit einem der drei namentlich bekannten Kapelläne Gundekars, die uns in verschiedenen Quellen wiederholt entgegentreten: Helmprecht, Ar(i)bo oder Megingoz.)

 

Gottfried Henschen(ius), der die Vita Bonifatii in den Acta Sanctorum 1695 herausgab, entschied sich jedoch als Verfasser für einen sonst nicht bekannten angelsächsischen Priester Willibald von der Mainzer Kirche St. Viktor. Seine 3 Gründe dafür waren:

  1. Weil der Autor der Vita prima sich selbst im Widmungsbrief an die Bischöfe Lul von Mainz und Megingoz von Würzburg nicht als Bischof, sondern nur als „indignus in Domino presbyter“ bezeichnet.
  2. Aufgrund einer in der 3. Person gehaltenen Notiz der Vita quarta (Passio). Diese Notiz besagt, dass ein Willibald (Hier ganz ohne Titel) seine Vita Bonifatii unter näher beschriebenen Umständen bei der Kirche St. Viktor zu Mainz verfasst habe.
  3. Henschenius nahm an, dass Georg Witzel (Wicelius) eine aus mehreren Quellen zusammengestellt und in seinem „Hagiologium“ von 1541 abgedruckte kurze Vita des hl. Bonifatius mit den Schlussworten der Passio (= Vita quarta) in veränderter und dadurch verfälschter Form versehen habe. Diese Verfälschung soll zum einen darin bestehen, dass er die Schlussbemerkung der Passio in der 1. Person (Ego) setzte. Zum anderen, dass er dem Verfassernamen den Bischofstitel hinzufügte.

 

Die Meinung von Dr. Heinrich Wagner ist:

Seither haben sich alle Forscher der Meinung des Henschenius angeschlossen.

Die Vita Bonifatius (Vita prima) wurde von Bischof Willibald von Eichstätt geschrieben, im Auftrag von Bischof Lullus von Mainz und Bischof Megingaud von Würzburg.

Die Vita prima soll zwischen 755/56 und 768 entstanden sein.

Die Argumente sind in den Bonifatiusstudien des Dr. Heinrich Wagner (Würzburg 2003, ISBN 3-87717-066-8) nachzulesen.

 

Vielleicht wurde die Vita prima im Umfeld zum Todtenbund von Attigny im Jahre 762 initiiert. Lullus, Megingaud und Willibald sind 762 in Attigny bezeugt.

Lullus, Willibald und Megingaud trafen sich aber nicht nur in Attigny.

Die 3 trafen sich später auch, als sich Megingaud im Jahre 768 entschloss, seine Bischofwürde abzulegen. Es kamen der Mainzer Bischof Lullus und Willibald von Eichstätt nach Würzburg, um den Nachfolger zu bestimmen (Quelle: Vita Burkardi II.).

Die Gegenwart Willibalds, zusammen mit Karl den Großen und Erzbischof Lullus, bei der Weihe des Münsters zu Neustadt am Main unter Abt Megingaud im Jahr 781, verzeichnet die Neustädter Stiftungsurkunde.

 

Willibald (geboren um 700) selbst, lernte Bonifatius Mitte 740 kennen. Willibald reiste nach Ostern, am 24. April 740, auf Wunsch des Papstes, von Rom aus über Lucca, Pavia, Brescia und Garda, über die Alpen zu Bonifatius nach Bayern.

Am 22. Juli 740 weihte Bonifatius in der Marienkirche in Eichstätt Willibald zum Priester.

Am 21. Oktober 741 weihte Bonifatius, unter Assistenz der Bischöfe Burkard und Witta, Willibald in Sülzenbrücken (14 km südwestlich von Erfurt) zum Bischof.

 

Die Vita prima bezeichnet Bonifatius, laut Dr. Stephanie Haarländer, in neutestamentlicher bzw. patristischer Tradition als Völkerapostel, sodass der Heilige seinem Nachfolger auf dem Mainzer Bistumsstuhl als Legitimationsstifter dienlich sein konnte. Bezeichnenderweise wird daher Fulda nur am Rande erwähnt.

 

 

2. Vita quarta (Passio bzw. Passio Sancti Bonifatii).

Die ursprünglichen Quellen dafür sind laut Dr. Heinrich Wagner zwischen 758/59 und 768 im Umkreis von Lullus, Megingaud und Willibald entstanden.

 

Der letzte Redaktor hat vermutlich, laut Dr. Heinrich Wagner, zwischen 997 und 1000 im Stift St. Viktor in Mainz die heutige Version erzeugt.

Die ältesten erhaltenen Handschriften (Kopien von der Version um 1000) stammen aus dem 13. Jahrhundert.

 

Die vielleicht als Hausüberlieferung aus St. Viktor zu Mainz anzusehende, laut Dr. Stephanie Haarländer, zwischen 1011 und 1066 entstandene Vita quarta stellt den Heiligen wiederum als Sachverwalter Mainzer Interessen gegenüber dem Papst dar.

 

 

3. Vita altera.

Verfasst von Radbod (*um 850), Bischof von Utrecht von 899 bis 917.

 

Die Vita altera vollzieht dem gegenüber einen völligen Standortwechsel: Im Sinne einer eigenen friesischen Bonifatiustradition erscheint der Heilige als ein zweiter Apostel der Friesen. Ausführlich stellt ein Augenzeugenbericht das Martyrium dar. Die Erhebung zum Mainzer Bischof erscheint völlig unvermittelt vor der Rückkehr nach Friesland.

 

 

4. Vita sexta.

Geschrieben von Otloh, Mönch im Kloster St. Emmeram in Regensburg, während seines Aufenthalts von 1062 bis 1066 im Kloster Fulda.

Otloh war der Meinung, dass Bischof Willibald von Eichstätt, der Verfasser der Vita prima war.

 

Die Vita Bonifatii Otlohs vertritt, laut Dr. Stephanie Haarländer, schließlich dezidiert Fuldaer Interessen, indem Bonifatius in Konfrontation zu Mainz als klostereigener Patron Fuldas in Anspruch genommen wird.

 

 

Weitere Informationen über Bonifatius auf dieser Homepage:

 

Detaillierte zeitliche Fakten über Bonifatius:

http://www.weyer-neustadt.de/content/DesktopDefault.aspx?tabid=257

 

Die Briefe des Bonifatius und Lullus:

http://www.weyer-neustadt.de/content/DesktopDefault.aspx?tabid=267

 

Vita Bonifatii Auctore Willibaldo:

http://www.weyer-neustadt.de/content/DesktopDefault.aspx?tabid=269

 

 

 

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