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Der fränkische Waldsassengau
Die Grenzen des Waldsassengau sind Rot gekennzeichnet. Karte von Gustav Droysen, 1886.
   

  Der fränkische Waldsassengau 

Erstellt am 04.10.2008, aktualisiert am 07.10.2008.

 

 

Der Waldsassengau war im Frühmittelalter ein ostfränkischer Gau.

 

Der Waldsassengau umfasste folgendes Gebiet:

Von Dorfprozelten aus nach Nordwesten bis zum linksseitigen Ufer der Elsava.

Der Elsava entlang, in ziemlich gerader Richtung auf das heutige im Nordspessart gelegene Wiesen.

Von Wiesen aus nach Südosten, südlich von Schaippach bei Gemünden über den Mainstrom.

Dessen linkem Mainufer entlang über Himmelstadt bis zum heutigen Heidingsfeld.

Weiter in südwestlicher Richtung, wo unterhalb Hochhausen die Tauber überschritten wird.

Von diesem Punkt aus in ziemlich gerader Richtung nach Nordwesten führend zum Ausgangspunkt Dorfprozelten.

(Quelle: Aus der Vergangenheit des Waldsassengaues in die Gegenwart des Landkreises Marktheidenfeld, Band I/1968, Gotthard S.H. Schüll)

 

Die Karte mit Grenzen des Waldsassengau sehen Sie im Bild links.

 

Die an den Waldsassengau angrenzenden Gaue waren im Norden der Saalegau (Salagowe),

im Osten der Werngau (Weringowe) und der Godsfeldgau (Gozfildgowe),

im Süden der Badenachgau, der Taubergau und der Weingarteigau (Wingartteibagowe),

und im Westen der Maingau (Moingowe).

 

 

Zeitliche Fakten zu dem Waldsassengau:

 

Schon unter dem Abte Sturminus (+779) schenkt Aluwalach dem Kloster Fulda die Dörfer Votingen et Adalhalmestat in pago Waltsaze [Schannat, trad. Nr. 63 S. 33. - Dronke cod. dipl.Nr. 121 S. 71 - Dronke, trad. et antiqu. c. r Nr. 117 S.21]

und ein gewisser Otfrid, dessen Lebenszeit nicht näher angegeben ist, schenkt dem Kloster Fulda all sein Eigenthum in Otingen in provincia Walsazia [Dronke, trad. et antiqu. c.4Nr. 105 S. 21],

ebenso schenkt Rauthere sein Eigenthum in Billingshausen (Baldrateshusen) und Steinfelden [Dronke, l. c.Nr. 64 S. 19]

und Dagabraht seine Güter in Cellingen, Billingshausen und Steinfeld im Waldsassengau (in pago Waldsatiae) [Dronke, l. c.Nr. 98 S.20 - Schannat, trad. S.288].

 

Nach einer anderen Urkunde d.d. Holzkirchen 23. Sept. 820 schenkt Hramwolf dem Kloster Fulda unter seinem Abte Eigil in pago Waldseze et in pago Weingewe duas capturas und sein ganzes Erbut zu Imminestat (Himmelstadt) [Schannat, trad. Fuld. Nr. 327 S. 133 - Dronke, cod. dipl. Fuld. Nr. 391, S. 177].

 

Der Fuldaer Mönch Rudolph, Biograph des Abtes Rhabanus Maurus, nennt das Kloster Holzkirchen, wo er in den Jahren 836 und 837 gelegentlich der Reliquienübertragungen als Abgesandter des Abtes weilte, als in Alemannien d. t. links des Maines und im Waldsassengau gelegen [Eckhardt, Fr. or Il. 304 ff.].

 

Die Familie Poppos I. (Poppo I. war der Stammvater der BABENBERGER oder POPPONEN und ist quellenmäßig von 819 bis 839 als Graf im Saalgau, Grabfeld und Tullifeld belegt) ist für mehr als zwei Jahrzehnte auf ihre Grafschaft im Waldsassengau und die Besitzungen an Aisch und Obermain zurückgedrängt worden und tritt erst 866 mit dem eben erwähnten princeps militae wieder hervor.
Mit Poppo I., der im Spessart und Waldsassengau belehnt ist und dort Königsrechte wahrnimmt, dessen Lehnsbesitzungen weit über das Grabfeld hinaus in den Gauen Volkfeld, Gozfeld, Werin- und Saalegau liegen, haben wir den ersten ständigen Grafen aus dem Kreis des westfränkischen 'karolingischen Reichsadels' vor uns, der - in Ablösung der comitis missi - im Lande Fuß fasst und sich mit dem eingesessenen Hochadel kognatisch verbindet. [
Friese Alfred, Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen Adels].

 

Eine wichtige Urkunde über den Waldsassengau ist jene vom Jahre 910, deren Inhalt aber in die Zeit von 822-842 gehört. Sie berichtet uns über einen Güteraustausch des Abtes Rhabanus Maurus mit dem Grafen Boppo, indem Ersterer von den Gütern des Klosters Fulda 11 Mansen nebst Leibeigenen zu Dertingen im Waldsassengau (in pago Waltsatio in villa vocata Tharetedingen) dem Grafen Boppo als Theil seiner Grafschaft übergiebt, dieser aber von seinen Grafschaftsgütern in Remlingen im Waldsassengau (ex villa scilicet Rameningen) und einen Theil des Spessart vom Königsbach bis zur Grenze der Besitzungen des Klosters Neustadt a. M. dem Kloster Fulda schenkt. [Schannat, trad. Nr. 550 S. 225 - Dronke cod. dipl. Nr. 655 S. 302].

Eine königliche Bestätigung dieses vom Abte Rhabanus vorgenommenen Tausches geschah im Jahre 910 unter Abt Hugo.

 

Ein Graf Bernardus schenkt im Jahre 840 durch Kaiser Ludwig d. Fr. alle seine Lehen im Dorfe Immentstadt (Himmelstadt) im Waldsassengau der Würzburger Domkirche. [Eckhardt, Fr. or. Il. 336 - Reg. Boic.I. 11. - Mon. Boic. XXVIII. 1. Nr. 23. - Arch. d. hist. Ver. v. U. XXII. 1. S. 207].

Ferner werden die Orte Uetingen und Helmstadt als im Waldsassengau gelegen in den Fuldaer Traditionsurkunden genannt.

 

Poppo II., ostfränkischer Adeliger („marchio“, „dux“), * um 830/35 bis + nach 906

Bedeutende Rolle in Franken und Thüringen nach dem Übertritt seines Bruders Heinrich in den Reichsdienst.
Verwicklungen in Auseinandersetzungen um das thüringische Markherzogtum.
880 Sieg über die Sorben.
(?) Teilnahme an der Einsetzung des Mainzer Erzbischofs Sunzo 889.
„Legatus regis“ bei der Fuldaer Abtwahl 891.
Ausbau der Abtei Neustadt/Main als Stützpunkt der Herrschaft über den Waldsassengau.
892 Absetzung durch König ARNULF nach Infidelitätsprozeß (899 Rückgabe der konfiszierten Güter).
Behauptung der Position als dux Thuringorum.
903 Graf im bayerischen Nordgau.
906 im Volkfeldgau. Besitz im Grabfeld, Waldsassengau, Gozfeld, Volkfeld.

[Bosl, Bayerische Biographie].

 

Die Popponen/Babenberger Adalbert, Adalhard und Heinrich (+902/3) wurden in der Babenberger Fehde von den Konradinern mit Hilfe von falschen Zusicherungen des Erzbischof Hatto von Mainz umgebracht. Die Drei waren Söhne von Heinrich (*886), Bruder von Poppo II. Die Schwester der drei Babenberger/Popponen, Haduich, war mit Otto den Erlauchten verheiratet, deren Sohn Heinrich I. war nach dem Konradiner Kaonrad I., König der Ostfranken von 919 bis +936.

 

Eine Demonstration popponischer Macht im Grabfeld bildete zweifellos der Reichstag in Rohr (bei Meiningen), als Heinrich der Zänker, aus dem Geschlecht der Liudolfinger, am 29. Mai 984 den jungen OTTO III. an seiner Mutter Theophano zurückgeben musste, nachdem er versucht hatte, über die Vormundschaft die Krone des Reiches zu gewinnen. Gerade OTTO III. aber war es, der die Stellung der POPPONEN zugunsten des Bistums Würzburg schwächte. Von ihm wurde 993 das unter ihrem Einfluss stehende Königskloster Neustadt an Würzburg "zurückerstattet" und damit den popponischen Dynasten ein wichtiger Pfeiler ihrer Herrschaft im Waldsassengau entzogen. [Friese Alfred, Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen Adels, Seite 122].

 

Im Jahr 1000 geht der gesamte Waldsassengau durch königliche Schenkung in die Gerichtsgewalt des Bischofs von Würzburg über.

 

 

 

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