Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Zeichnung: Schüll
Abt und Klostervogt
  Burg Rothenfels 

Erstellt am 11.02.2006

 

 

Der Schnapphahn von Burg Rothenfels

 

Eine Geschichte von Ernst A. ENGLERT

Illustration: G. S. H. SCHÜLL

Aus dem Büchlein Ostspessart, Windheim den 11. Februar 1953.

 

 

Es war zunächst nicht sonderlich reich, das Kloster Neustadt am Main, das der hl. Burkard, Würzburgs erster Bischof, an seinem Lebensabend gegründet haben soll. König Pippin III. und der große Kaiser Karl, sowie fränkische Edle schenkten dem Kloster aber doch einen Besitz, der es lebens- und entwicklungsfähig machte.

Seit dreieinhalb Jahrhunderten führten nun schon die frommen Männer hier ein gottgeweihtes Leben, war das Kloster eine Pflanzstätte hoher Geisteskultur.

 

Feste Mauern hielten von den Gottsuchern, die um ihren Abt geschart das Gottesreich auf Erden bauen halfen, all die Unbill weltlichen Lebens fern. Für solche Angelegenheiten hatten sich die Mönche einen eigenen Klostervogt bestellt.

Ihm oblag es, mit seinen Knechten das Kloster gegen jegliche Angriffe von außen zu schützen, unangenehme Gebietshändel des Klosters zu dessen Gunsten auszutragen, auch in den Klosterhöfen der Umgebung nach dem Rechten zu sehen, um die termingemäßen Abgaben der Klosterbauern besorgt zu sein und weiterhin dafür zu sorgen, dass die Klosterküche das Jahr hindurch mit den nötigen Speisen, auch mit Wild aus dem Spessart und Fischen aus dessen Bächen und dem Main versehen war.

 

Außerhalb des Klosterfriedens lag das Herrenhaus des Vogtes mit Gesindegebäuden und Stallungen. Hier hauste der Klostervogt Marquart von Grumbach, Spross eines der ältesten fränkischen Rittergeschlechter, in seiner Art ein selbstherrlicher Mann, ein trink- und tatenfroher Ritter, auch mit Schnapphahnblut in den Adern; es war ja die Zeit des Faustrechtes, Zeit der Fehden zwischen Rittern, Fürsten unter sich und mit dem Kaiser, des Bruderzwists zwischen Welfen und Staufern.

Schon oft war der Vogt dem Abt mit seinem Plan gekommen, zum besseren Schutz des Neustadter Klosters ein Haus auf dem Roten Felsen zu bauen, eine gute Wegstunde vom Kloster mainabwärts, dort, wo die Fischer bereits eine Siedlung errichtet und Rothenfels genannt hatten. Es wäre nur des besseren Schutzes des Klosters und seines Besitzes wegen. Das sollte doch dem Abt einleuchten. Aber immer, wenn der Vogt ihm mit seinem Plan in den Ohren lag, überkam den Abt ein rechtes Unbehagen.

 

In Wirklichkeit wollte der Ritter seine Burg. Verlockend und herrlich schien ihm der Gedanke, auf eigenem Sitz mit seinesgleichen ein trink- und rauflustiges Ritterleben mit allem romantischen Drum und Dran zu führen, abseits des Klosters und seiner Mönche, die an und für sich nicht viel von der Beschützerpflicht des Vogtes hielten.

Nach langem Drängen endlich hatte der Grumbacher nun die Genehmigung des Abtes in der Tasche. Verbrieft und besiegelt war die Erlaubnis des Abtes, auf dem Roten Felsen unterhalb des Gaibergs ein Vogthaus zu bauen, klein und bescheiden. Nur zu gut kannte der Klosterkonvent seinen Vogt und wollte sich dessen vorsehen, dass man ihn nicht eines Tages zu tadeln bräuchte, den Bock zum Gärtner gemacht zu haben.

 

Jetzt galt es. Seine eigene Burg sollte Wirklichkeit werden. Für den Ritter war klar: Er würde sich nie an des Abtes Bedingung halten, dafür aber sollte seine eigene Burg trotzige Wirklichkeit werden, kein bescheidenes Vogthaus. Fortem fortuna adjuvat! – Frechheit siegt! Und kalter Trotz mag in seine Augen gestiegen sein. Er würde sein einmal erreichtes Werk schon mit seinen Freunden unter den fränkischen Rittern verteidigen; denn auch in jenen Tagen war der Kampf die Probe für Gewalt und Schwäche, und der Stärkere würde er, der Ritter Marquart von Grumbach, sein.

 

Eine tolle Lust war in den Ritter gefahren. Noch zur selben Stunde sprengten des Grumbachers Knechte ins Tal hinab zu den Rothenfelser Fischern, zur unteren Lohr (Hafenlohr), nach den Höfen in der Windau (Windheim), zum Lauterhof, zum Lindenfurterhof, den Wachenbach hinauf zum Müller, nach Mergenbrunn, den Klasbach hinauf und auf die Altfelder Höhe. Von Neustadt bis zum Kunilinsbach (dem heutigen Külwi gegenüber Lengfurt) und von Niederlohr (Hafenlohr) bis zum Gerlachsfurtlein (Erlenfurt) wurden die Insassen der Klosterhöfe und der klösterlichen Mühlen zusammen mit den Jägerknechten und den Handwerksleuten zur Fronarbeit auf den Roten Felsen entboten. Auch die benachbarten Burgherren wurden gebeten, ihrerseits ihre Handwerksleute zum Burgbau zu schicken.

 

Viele grobe Worte flogen den, einen rauhen Ton gewohnten Ritterknechten an den Kopf und mit leiser Verwünschung schafften die Klosterbauern ihrem Unmut über den Klostervogt Luft. Aber was halfs?

Am Frontag waren sie doch alle mit den arbeitsfähigen Jungleuten, den Knechten und Mägden, den klösterlichen Handwerkern und dem Knechtsgesinde des Vogtes erschienen. Rauhes Tagewerk begann droben auf dem roten Fels. Viele, viele Tage wurde gefront und des Vogtes herrische, vom guten Trunk rauh gewordene Stimme hallte vom frühen Morgen bis zum späten Abend über die Baustelle. Und das Mauerwerk wuchs.

 

Der Ritter wusste, warum er die Fröner und Bauleute zur Eile trieb. Er hatte Briefe des Abtes empfangen, die ihn des Treubruches bezichtigten und des Wortbruches und sofortige Einstellung des Baues forderten; er hatte den Brief des Bischofs erhalten, der ihm die Exkommunikation androhte; er hatte erfahren, dass sich der Abt beschwerdeführend an den Kaiser gewendet habe.

 

Mit dem Kaiser wollte er es doch nicht verderben. Aber jetzt war der Kaiser weit. Der hl. Mönch Bernhard von Clairvaux hatte 1146 auf dem Speyerer Reichstag den Kaiser Konrad III. zum Kreuzzug ins Heilige Land gewonnen. 1147 war der Kaiser mit den Kreuzfahrern aufgebrochen. Nun war er weit. Irgendwo in Kleinasien oder vor Jerusalem. Diese Zeit galt es zu nutzen. Und der Grumbacher war nicht müßig. Er wollte den zurückgekehrten Kaiser vor die vollendete Tatsache stellen, seine Burg gebaut zu haben. Dann würde mit dem Kaiser schon zu verhandeln sein.

 

Noch bevor der Kaiser aus dem Gelobten Land zurückgekommen war, stand die Grumbach’sche Burg auf dem roten Felskopf. Wie ein Raubvogelhorst auf nacktem Gestein ragte sie mit wuchtigem Mauerwerk auf, drohend den Reisenden, die durchs Maintal zogen, drohend den gefüllten Planwägen der Städte und Klöster und deren reichbeladenen Schiffen drunten auf dem Fluss, drohend vor allem dem Kloster, seinen Freihöfen, seinen Rechten in Forst und Fluss.

 

Marquart von Grumbach wusste, dass er seine Burg allen Gewalten zum Trotz halten werde. Bald spürte das Kloster Neustadt, dass aus dem Klostervogt des Klosters Schnapphahn geworden war, dessen Hauptaufgabe darin bestand, zu verhindern, dass noch andere Raubritter und Wegelagerer sich vom Neustadter Kloster ihren Teil holten.

 

Burg Rothenfels nannte der Grumbacher sein stolzes Werk, das er im Jahre 1148 vollendet hatte. Mehr als 800 Jahre sind seitdem vergangen.

 

Daten aus der Burggeschichte

Die Geschichte vermeldet hierzu folgendes:

1148 baut Marquart von Grumbach die Burg.

1150 findet zwischen dem Kloster Neustadt und dem Grumbacher ein Vergleich statt, in dem dieser das Schloss zu Manneslehen vom Kloster, also für seine männliche Nachkommenschaft zugesprochen erhielt.

Es handelt sich bei den 1148 gebauten romanischen Burgteilen um den Bergfried und die Ringmauer der Hauptburg. Die übrigen Burgbauten entstanden in der Hauptsache Ende des 15. und Anfangs des 16. Jahrhunderts, die Okonomiegebäude im Außenring gehören größtenteils dem 16. und 17. Jahrhundert an.

Der Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim ließ das Amtshaus errichten.

 

Das weitere Schicksal der Burg:

1243 kommt die Burg an die Rienecker;

1333 an das Hochstift Würzburg;

1525 brennt Carius Schraudenbach aus Greußenheim im Auftrag des Bauernhaufens vor Würzburg das Schloss aus, wofür er später auf dem Judenplatz in Würzburg gerichtet wurde;

1631 brennen die Schweden das Schloss aus;

1751 wird die Burg wieder aufgebaut;

1803 kommt die Burg an das Fürstenhaus Löwenstein–Wertheim–Rosenberg;

von 1803-1848 war auf der Burg fürstliches Herrschaftsgericht, von da ab kgl. bayr. Landgericht;

1879 wird das Landgericht aufgelöst und Lohr und Marktheidenfeld zugeteilt;

1919 kauft der Bund" Quickborn" die Burg;

1933 wird die "Vereinigung der Freunde der Burg Rothenfels e. V." Eigentümer;

1939 beschlagnahmt der nat.-soz. Staat die Burg;

1951 wird die Burg an die "Vereinigung der Freunde der Burg“ zurückgegeben.

 

 

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