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Erstellt am 26.12.2005, korrigiert am 02.01.2006, 06.01.2006 und 27.05.2008
Ein Abstrakt aus dem Bericht von Bernhard Schemmel, Sankt Gertrud in Franken, WDGB Band 30, 1968, Seite 7 - 153..
Erweitert um Zusatzinfos von Klaus Weyer.
Gertrud von Nivelles
"Gertrud" ist althochdeutsch und heißt "die Speerstarke" (Gertraud, ahd. ger „Wurfspeer”, drud „Kraft”).
Geboren 626 in Nivelles.
Gestorben 17. März 659 in Nivelles.
Festtag 17. März.
Die historische Heilige, auf die die Überlieferung von St. Gertrud in Franken bezogen werden muss, ist Gertrud von Nivelles, deren Leben und Wirken so sicher bezeugt it, wie nicht oft bei Heiligen der Merowingerzeit.
Als Tochter des 640 gestorbenen Hausmeiers in Austrien, Pippin des Aelteren (I.), gehört sie dem Geschlecht der Karolinger an. Sie trat in das von ihrer Mutter Itta oder Iduberga gegründete Kloster Nivelles (Nijvel) in Brabant ein, wurde sofort oder nach deren Tod 652 dessen Aebtissin und starb im 33. Jahr am Tag des hl. Patrick, dem 17. Maerz, wahrscheinlich 659, nachdem ihr der irische "peregrinus" Ultan in Kloster Fosses die Todesstunde verkündigt hatte.
Die Vita sanctae Geretrudis wurde kurz nach Ihrem Tod um 670 geschrieben.
Der älteste Biograph ist ein Mönch in Nivelles, zugleich ein Zeuge ihres im dortigen Kloster 659 erfolgten Todes. Quelle: Monumenta Germaniae histtorica Scriptores rerum Merovingicarum. Ihm zu Folge ist das brabanter Stift Nivelles, zwischen Brüssel und dem hennegauischen Gebirge gelegen, durch die Gemahlin Pippins I., Itta, um 640 gegründet und wird von deren Tochter Gertrud als erster Äbtissin regiert.
Ein wichtiges Ereignis für Gertrud wird in der Vita der hl. Gertrud wie folgt beschrieben:
Auf einem Mahl zu Ehren König Dagoberts (623-632 König Neustrien, 629-639 König Austrien) weist Gertrud einen Freier, den Sohn des Herzogs von Austrien mit der Bemerkung ab, nur Christus, den Herrn, als Gemahl haben zu wollen.
„ita ut ipse rex et proceres eius valde mirarentur super his, quae a parva puella Die iussione dicta erant. Ille vero puer recessit confusus, iracundia plenus. Sancta puella ad suam convertit genetricem, et x illa die parentes eius cognoverunt, a quali Regi amata fuerat“.
Der Herzog (Dux) von Austrien war zu dieser Zeit Adalgisel (Herzog von Austrien von 629 bis 638/39), nicht zu verwechseln mit Ansegisel, ab 634 Ehemann von Begga.
Nach dem Tod Pippins im Jahre 640 (Gertrud war 14 Jahre und mündig) gründet Itta auf Anraten Bischof Amands für sich und ihre Tochter ein Kloster. Allen möglichen Anschlägen auf das Heil der Seele ihrer Tochter bereitet Itta ein Ende, indem sie Gertrud das Haar „ad instar coronae“ abschneidet, und Gertrud freut sich, schon in diesem Leben die Krone empfangen zu dürfen, die sie einst der ewigen Krone würdig machen würde.
Der Vita sanctae Geretrudis wurden um 700 zehn postume Mirakel angefügt.
Die Virtutes s. Geretrudis, neu geschrieben um 700, berichtet, dass Begga, die Schwester der hl. Gertrud, 33 Jahre nach deren Tod (692) in Andenne ein Kloster gründete.
Der Vita sanctae Geretrudis wurden um 783 weitere postume Mirakel angefügt.
Kalendarien und liturgische Quellen des 8. Jahrhunderts nennen bereits Namen und Festtag der Heiligen, deren Kult sich im 10. Jahrhundert allgemein durchzusetzen beginnt; das bestätigen Reliquien- und Patrozinien-Erwähnungen.
In der Textvariante der zwischen 980 und 983 geschriebenen Ida-Vita ist Gertrud die Tochter „sancti Pipini regis“.
Auch ihre frühzeitig erfolgte kirchliche Anerkennung steht außer Zweifel; ihr sind in Belgien allein mindestens bei vierzig Kirchen geweiht, A. SS. l.c.. pag. 475.
Gertruds Name steht im Rheinauer Martyrologium mitverzeichnet, welches dem 8. Jahrhundert angehört, und das nach ihr benannte Gertruidenburg am südlichen Ufer der Maas, das auf ihren Wunsch eingeweiht sein soll, wird schon 992 als eine Marienkapelle genannt. Reitberg, Kirchgesch. 2, 543. Überall treffen so die ihr beigelegten Stiftungen oder die von ihr gegründeten Kirchen mit den frühesten Anfängen des Christentums in Deutschland zusammen.
Gertruds Mutter:
Iduberga / Itta / Ida von Nivelles. Sie wurde um 600 (592?) im heutigen Frankreich geboren, am 8. Mai 652 verstarb sie im belgischen Nivelles. Hier hatte die Ordensfrau Iduberga ein Kloster gestiftet in der später ihre zweite Tochter Gertrud 1. Äbtissin wurde.
Gertruds Vater:
Pippin der I., auch Pippin von Landen genannt. Geboren um 580. Von 624 bis 629 und 639 bis 640 austr. Hausmeier. Dazwischen politisch entmachtet. Erst nach Dagoberts Tod 639 erlangte Pippin erneut die austrasische Hausmeierwürde, Gestorben 640.
Gertruds Schwester:
Begga; geb. 616; verheiratet mit Ansegisel 636; gest. 693. Sie war die Mutter von Pippin II., den Mittleren.
Ansegisel, der Mann von Begga; geb. 602/5; gest. nach 657, 685? war ein Sohn Arnulfs von Metz und Vater von Pippin II., den Mittleren.
Gertruds Bruder:
Grimoald I. (d. Ältere), geb. um 628; 642-662 löste Otto als Hausmeier von Austrien ab; 662 vom Adel aus Neustrien hingerichtet.
Nivelles:
Die sich um das Kloster Doppel-Nivelles (Südbrabant, Belgien, 25 km südlich von Brüssel) entwickelte Stadt wurde später zur „Wiege der Karolinger”.
Weitere Infos über St. Gertrud in Franken und speziell in Neustadt am Main finden Sie hier.
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